Otto Brenner Biografie

Literatur von Otto Brenner

Ansichten und Überzeugungen Otto Brenners

„Die Wirtschaft ist kein Selbstzweck. Sie hat menschlichen Bedürfnissen und gesellschaftlichen Zwecken zu dienen.“

Dieser Schlüsselsatz Otto Brenners mag im Zeitalter der globalen Standortkonkurrenz zunächst anachronistisch wirken. Doch der „eiserne Otto“, so die zeitgenössische, respektvolle Bezeichnung des langjährigen IG Metall-Vorsitzenden, meinte es ernst damit. Gefürchtet als harter, aber kompromissfähiger Verhandlungspartner forderte Brenner nicht nur Parität zwischen den Tarifparteien, sondern auch einen gerechten (Lohn-) Anteil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am gesellschaftlich erwirtschafteten Reichtum. Rasch erkannte Brenner, dass entscheidende Fragen der gewerkschaftlichen Entwicklung um das Verhältnis von Wirtschaft und Politik kreisen, dass die Demokratie Voraussetzung für gewerkschaftliches Handeln ist und wirtschaftliches Handeln demokratischer Kontrolle bedarf. In der Bundesrepublik Deutschland wies Brenner der IG Metall markante Aufgaben zu: Festhalten an der Idee einer freien und gerechten Gesellschaftsordnung (demokratischer Sozialismus), an der Tarifautonomie und der gewerkschaftlichen Mitbestimmung, Kampf gegen Rechtsextremismus und andere totalitäre Herrschaftssysteme. Dazu zählte auch die aktive Unterstützung von verfolgten Gewerkschaftern im faschistischen Spanien und in den lateinamerikanischen Diktaturen während der 1950er und 1960er Jahre. 

Briefe 1933 – 1955

Herausgegeben und kommentiert von Peter Wald

Innerer Klappentext: 

Von Otto Brenner gibt es keine Autobiografie. So ist vor allem über den ersten Teil seines Lebens, der ihn als Arbeiter, Gewerkschafter und angehenden Politiker zur Zeit der Weimarer Republik und der Nazi-Gewaltherrschaft sah, wenig bekannt. Aus diesem Lebensabschnitt hat er jedoch eine große Anzahl von Briefen hinterlassen.

In den von Peter Wald zusammengestellten und kommentierten Briefpassagen spiegelt sich Brenners Lebensweg von 1933 bis Mitte der fünfziger Jahre. Sie veranschaulichen auf sehr persönliche Weise die schwierigen Lebensumstände in der Zeit des Dritten Reichs und die Leiden der Bevölkerung im Bombenkrieg. Brenners Briefe sind zudem wichtiges Zeugnis vom Neubeginn in Westdeutschland nach der Befreiung 1945.

 

Otto Brenner schreibt seiner Frau Martha 1935 aus der Haft:

„Eben erhalte ich deinen lieben Brief! […] Jetzt weiß ich, daß du mich verstanden hast. Sieh Liebling, ich will bloß, dass wir uns aus den engeren gesellschaftlichen Grenzen herausheben, dass wir unser Denken frei machen von jeglichem kleinlichen Ballast. […] Für uns ist die soziale Frage keineswegs gelöst! Schon als Kinder haben wir die Tragik, die darin liegt, als Kinder besitzloser Eltern zur Welt gekommen zu sein, zu spüren bekommen. Der Mensch ist ein Produkt seiner Verhältnisse. Die Verhältnisse in denen er aufwächst formen und bilden ihn. Und die jeweils herrschende Schicht tut alles, um ihn über seinen Rahmen nicht herauswachsen zu lassen. […] Die Menschen, die nicht nur Instinkt, sondern auch Verstand besitzen, haben den Schwachen ebenso zu schützen wie den Starken (Wald 2007: 21 ff.).“

 

 

Ausgewählte Reden 1946 – 1971

Herausgegeben von Jens Becker und Harald Jentsch

Otto Brenner (1907 – 1972) war als erster Vorsitzender der IG Metall von Mitte der 1950er bis in die 1970er Jahre hinein einer der wichtigsten Gewerkschaftsführer der westdeutschen Nachkriegsgeschichte. Mit diesem Band wird eine Auswahl seiner Reden vorgelegt, von denen die Mehrzahl erstmals veröffentlicht wird. Brenner half mit, Tarifgeschichte zu schreiben, und war ein dezidierter Mahner wider den braunen Ungeist.

Wer darüber hinaus seine Darlegungen über Atombewaffnung, "Bildungsnotstand", Internationalisierung, Konzertierte Aktion, Mitbestimmung, Rationalisierung, Sozialstaat, Wirtschafts- und Sozialpolitik, Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand und vieles andere mehr liest, wird daran erinnert, dass einige der Probleme von damals auch oder wieder Probleme von heute sind.

Otto Brenner Referat auf der Großkundgebung des DGB am 11. Mai 1968 in der Westfalenhalle in Dortmund unter anderem zum Thema Notstandsgesetzgebung:

„Wir haben immer wieder gesagt: Es handelt sich bei der Notstandsfrage in erster Linie um eine politische Entscheidung. Das ganze Konzept, auf dem die bisherigen Entwürfe beruhen, ist falsch. Mehr noch, es ist gefährlich. Denn es richtet sich gegen Sinn und Gehalt unseres Grundgesetzes, das nach dem Willen des Parlamentarischen Rates eine sozialstaatlich-demokratische Ordnung garantieren soll. […] Es ist überhaupt nicht einzusehen, warum eine so weitgehende Regelung ins Auge gefasst werden muss. Sie ist weder für die Aufrechterhaltung unserer demokratischen Ordnung noch für die Sicherheit der Alliierten erforderlich. Wenn man sie weiter betreibt, so dokumentiert man damit nur den bösen Willen und den Entschluss, unter allen Umständen für Staatsgewalt Befugnisse auf Kosten der Bürger und ihrer Grundrechte zu usurpieren (Becker/Jentsch 2007: 375 ff).“